"Der Trainer" wird 40
Gute fünf Jahre Jörg Hundermark beim SVK
(svk) Man sieht es ihm freilich nicht an. Doch in der Tat feiert „unser Jörg“ in diesen Tagen bereits seinen 40. Geburtstag. Grund genug also, zurück und teilweise auch etwas genauer hinzuschauen. Denn tatsächlich: Das ein oder andere graue Haar hat sich mittlerweile insbesondere an den Schläfen seinen Weg durch das einst dichte und dunkle Haupthaar des Sabbenhauseners gebahnt. Bei der Frage allerdings, wer denn nun verantwortlich ist für diesen Missstand, da scheiden sich die Geister.
Fakt ist, als Jörg im Sommer 2003 seine Mission in Kollerbeck startete, da war frisurtechnisch noch alles im grün-weißen Bereich. Anlässlich seines ersten Pflichtspiels im Rehbergstadion am 1. September 2003 titelte seinerzeit sogar die Kollerbecker Homepage: „Standing-Ovation im Rehbergstadion“. Das allerdings bezog sich weniger auf das fabelhafte Aussehen des damals Mittdreißigers als auf die tolle Mannschaftsleistung zum Saisonauftakt. Diese hatte nämlich zuvor zu einen überzeugenden 4:3-Sieg gegen den absoluten Meisterschaftsfavoriten aus Lüchtringen und Albaxen geführt. Der Einstand des Spielertrainers, der in der Folgezeit gerade von den Spielerfrauen vermehrt nur „Der Geilste“ gerufen wurde, war also geglückt.
Und dieser Erfolg sollte nicht mehr abreißen. Dafür verantwortlich ist neben der unbestrittenen Qualität als Fußballlehrer auch der ganz besondere Charme des „Everybody’s Darling“. So sollen freilich unbestätigten Gerüchten zufolge nicht wenige Kollerbecker Mütter ihre heiratsfähigen Töchter nicht nur einmal an die Seite genommen und leise geraunt haben: „Hör mal! Der Jörg, wäre das nicht einer für Dich?“ Die Motive für dieses Verhalten sind selbstverständlich nicht gänzlich uneigennützig. Wer würde nicht gerne mit solch einem Musterschwiegersohn prahlen?
Allerdings ist der Sabbenhausener seit „ewig und drei Tagen“ glücklich mit seiner Ela liiert und damit definitiv „weg vom Kollerbecker Heiratsmarkt“. Und bei genauerem Hinsehen lassen sich ohnehin erste Kratzer am so behutsam gepflegten "Musterschwiegersohn"-Image erkennen. Denn den einen oder anderen Euro seines Trainersalärs pflegt Jörg direkt bei "Fuhrmanns" zu re-investieren.
Die Leidtragenden hierunter sind und waren freilich die Kollerbecker Mitglieder der Freiwilligen Fahrbereitschaft Kollerbeck-Sabbenhausen e.V. Insbesondere der stellvertretende Geschäftsführer Alexander Stecker kennt die Strecke ins kleine Lipper Nest mittlerweile im Schlaf.
Aber was tut man nicht alles, um den Mann des Erfolgs an den Verein zu binden. Umso größer war der Aufruhr, als Jörg Hundertmark – den Aufstieg in die A-Liga im Rücken und den Aufstieg in die Bezirksliga vor Augen – plötzlich seinen Abschied vom SVK verkündete. Am 23. Februar 2007 titelte die SVK-Homepage: „Jörg Hundertmark hört im Sommer auf“. Und falls der ein oder andere naive Leser beim Lesen dieser Überschrift anfangs noch die Hoffnung hegte, dass Jörg nur endlich mit dem Rauchen aufhören würde, dann wurde dieser Leser bei der weiteren Lektüre des Berichts schnell eines Besseren belehrt. Wie dumm war er gewesen? Natürlich würde Jörg nicht aufhören zu rauchen! Nein, er würde tatsächlich beim SV Kollerbeck aufhören. Ende! Finito!
In der Folgezeit versuchten die Kollerbecker noch verzweifelt, ihre Fassungslosigkeit mit gezwungenem Humor zu überspielen. Am ersten April 2007 erschien demzufolge ein Bericht auf der Homepage des SVK mit dem Titel: "Hundertmark bleibt Kollerbecker - Zweite Mannschaft des SVK kann Erfolgstrainer für sich verpflichten“. Der Witz allerdings führte lediglich zu verständnislosem Kopfschütteln des Lippers. Nein, nein. Es war ihm bitter ernst mit dem Abschied.
Bitter-süß wurde es dann tatsächlich am 10. Juni 2007. Da nämlich hieß es Abschied nehmen. Abschied nehmen in einer Situation, die skurriler nicht sein kann. Ein Gemisch aus Sentimentalität und absoluter Anspannung. Spieler und Trainer stehen wahrscheinlich vor der Partie ihres Lebens. Es geht um den Aufstieg in die Bezirksliga. Und es geht um den Abschied von einem guten Freund. Fast wäre dieser Spagat in die Hose gegangen. Am Ende aber wird alles gut. Den Tag wird keiner der Zeitzeugen jemals vergessen. Der Bericht auf der Homepage titelte „Die Sensation ist perfekt - Kollerbeck erstmalig in der Bezirksliga“.
Dann war er weg. Um seinen Akku aufzutanken, wie er sagte. Dass dieser Akku ein verdammt leistungsstarker sein muss oder Jörg eben doch langsam älter wird, beweist die Tatsache, dass er ganze fünfzehn Monate brauchte, um wieder grün-weißes Licht zu melden.
Aber dann war er wieder da. Am 16. September 2008 heißt es dazu auf der Kollerbecker Homepage: „Es ist eine Herzensentscheidung - Jörg Hundertmark stellt sich den Fragen zu seinem Come-back“. Zeitgleich mit dem Herzen oder auch etwas verzögert – wer weiß das schon so genau- haben auch Jörgs Verstand und Ela ihr „OK“ gegeben. Jörg übernimmt wieder das Traineramt beim SVK. Und das bis heute mit steigendem Erfolg!
Seine spielerische Rolle innerhalb der Mannschaft hat Jörg im Übrigen über die Jahre hinweg immer wieder neu ge- und erfunden. Im Bericht vom 30. August 2004 unter dem klangvollen Namen „Quo vadis, SVK?“ gab er zu Protokoll, realistisch genug zu sein, „um entscheiden zu können, wie ich für die Mannschaft am wertvollsten bin.“ Damit hatte er ausweichend auf eine zugegebenermaßen etwas provokante Frage geantwortet, ob er denn meine, der jungen Mannschaft auch als Spieler noch helfen zu können. Wie wertvoll er für die Mannschaft immer noch war, bewies er dann beim 11:0-Sieg über den TuS Ottbergen am 2. Oktober 2006. Im entsprechenden Spielbericht hielt der Chronist dazu folgendes fest: „Jörg Hundertmark hingegen, der sich in der 65. Spielminute mit neuen Schuhen eingewechselt hatte, blieb also ohne Torausbeute. Dies ist umso positiver zu bewerten, als dass er zuvor verkündet hatte, mit den neuen Schuhen noch mindestens drei Tore in dieser Saison machen zu wollen. Schön, dass er sich die für Spiele aufhebt, in denen sie wichtiger sind als in diesem Spiel.“ Soviel sei hier jedoch verraten: Aus den drei Toren wurde nichts mehr. Umso erstaunter nahmen alle Beteiligten deswegen am 26. November 2008 zur geflissentlichen Kenntnis, dass Jörg im Jahr 2009 noch einmal angreifen wolle. Seine Aussage im Bericht namens „Ein Jahr mit viel Schatten und wenig Licht“ hörte sich jedenfalls viel versprechend an: „Auch ich werde mich sportlich fit halten, um selbst wieder mehr mittrainieren zu können!“ Wie schnell solche guten Vorsätze allerdings in den wohlbekannten Mantel des gnädigen Schweigens gehüllt werden können, das offenbarte sich dem geneigten Zuhörer am Rande des Hallenstadtpokals 2009 in Bredenborn. Dort verfügte Jörg in einer für ihn recht unbekannten kleinlauten Art und Weise, „seinen Pass doch besser zu den Pässen der zweiten Mannschaft zu packen!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Nun feiert Jörg also seinen 40. Geburtstag. Bleibt zu hoffen, dass er mit der „Vier“ vor der „Null“ gut umgehen kann. Zweifel allerdings sind angebracht. Denn Jörgs erste Amtshandlung nach seiner Rückkehr zum SV Kollerbeck war die Abschaffung der bis dato praktizierten ViererAbwehrkette. Die allerdings hatte ja auch nicht vor einer „Null“ gestanden. Seine ganz besondere Beziehung zu diesen beiden Ziffern belegt aber auch seine seltsame und für Außenstehende nicht nachvollziehbare Vorliebe für einen anderen Sportverein mit der „Null“ und der „Vier“ im Namen. In diesem Zusammenhang kann es nur schwer erträglich für einen echten Schalker sein, seinen 40. Geburtstag in einem Jahr feiern zu müssen, in dem dieser Herzensverein sein 50. Jubiläum ohne Schale komplett macht.
Aber sei es drum. Im Namen aller Spieler, im Namen der Verantwortlichen, im Namen aller Freunde und Fans des Vereins, im Namen aller Musterschwiegermütter und im Namen der Freiwilligen Fahrbereitschaft Kollerbeck-Sabbenhausen e.V. gratulieren wir Dir, lieber Jörg, ganz herzlich zu Deinem 40. Geburtstag. Tu’ uns allen einen großen Gefallen und bleib so, wie du bist!