Über Gleiches und Ungleiches unter neuem Trainer
SVK – TuS Bad Driburg 2:3
(svk) Durch den Austausch des Trainers lassen sich nicht automatisch die Probleme auf dem Platz lösen. Den Wahrheitsgehalt dieser Fußballerweisheit können die Kollerbecker Zuschauer bestätigen, die das erste Spiel unter „Heimkehrer“ Jörg Hundertmark verfolgt haben. Zwei von drei Toren nach Standardsituationen und vorne ein Aluminiumtreffer. Das kennen wir irgendwoher. Aber eben nicht alles war wie vorher.
Denn die Sprache der Mannschaft war eine andere als noch eine Woche zuvor. Auch als der Minutenzeiger der 90 und die Niederlage dadurch immer näher rückte, stemmte sich die Mannschaft gegen die erneute Misere. Man konnte dem Körper den Willen ansehen. Und auch die Sprache mit dem Mitspieler war eine andere – eine positive. Machten sich die Spieler noch eine Woche zuvor gegenseitig Vorwürfe, so pushten sie sich jetzt gegenseitig hoch. Allein das Ergebnis – und das ist nun mal im Fußball das Entscheidende – war wie zuvor. Null Punkte für den SVK.
Jörg Hundertmark hatte Mannschaft und System geändert. Zum einen stand ihm im Vergleich zur Vorwoche Sascha Niemeier wieder zur Verfügung. Andererseits musste er auf André Struck nach seiner roten Karte gegen Nethetal verzichten. Das System änderte Hundertmark insofern, als dass er wieder klassisch mit Libero – Marc Neumann – und zwei Manndeckern – Alex Rheker und Mikael Grunwaldt - agieren ließ. Davor spielte eine Viererkette und Michael Meyer hinter den Spitzen Pascal Ewers und Stefan Klocke.
Es dauerte jedoch eine ganze Zeit, bis sich die Mannschaft zurechtfand. Insofern war es auch nur logisch, dass die die Elf in der 13. Spielminute in Rückstand geriet. Wieder war es eine Ecke, die zum Gegentreffer führte. Zweifellos war das Tor ein schönes. Denn der Driburger hatte den Ball per Fallrückzieher ins lange Eck befördert. Doch Alexander Stecker brachte es auf den Punkt: „Das kann er nur machen, wenn kein Kollerbecker da ist.“ Und genau da lag das Problem.Nach etwa einer halben Stunde kamen die Grün-Weißen besser ins Spiel. Zunächst scheiterte zwar in der 30. Spielminute Matthias Loges nach einer Meyer-Ecke noch mit dem Kopf. Doch nur drei Minuten später machte es der Kleinenbredener besser. Wieder Ecke durch Meyer. Wieder Matthias „Logo“ Loges per Kopf. Doch diesmal hieß es Tor. Na also, geht doch!
Es kam noch besser. Denn bereits zur Halbzeit lag der SVK sogar in Führung. Es war die 41. Spielminute, als Jens Schölzel nur noch mit irregulären Mitteln im 16er gestoppt werden konnte und Michael Meyer konsequent vollstreckte.
Jörg Hundertmark war also zufrieden in der Kabine: „Jungs, ich habe mir in den ersten 20 Minuten einiges aufgeschrieben.“ Den Zettel wieder in die Hosentasche steckend fuhr er jedoch fort: „Aber das alles lief jetzt vor der Halbzeit. Weiter so“
Doch es ging leider nicht so weiter. Denn mit weiter voranschreitender Zeit verlor der SVK zumindest teilweise offensichtlich die Kraft und damit genau das, was Jörg Hundertmark vor dem Spiel immer wieder gefordert hatte: die Ordnung. Auch das eine Parallele zur Vor-Hundertmark-Ära, an der der Sabbenhausener arbeiten werden muss.
So nämlich war es nur eine Frage der Zeit, bis der Ausgleich fiel. In der 67. Spielminute konnte Niklas Rheker zwar noch so eben retten. In der 70. Minute war es dann allerdings wieder soweit. Konfusion im Kollerbecker Strafraum, die brutal bestraft wurde. Und es kam noch dicker. Denn nur sieben Minute später gingen die Kurstädter sogar in Führung. Vorangegangen war mal wieder eine Ecke – an die Defizite bei Standards hat man sich als Kollerbecker Fan längst gewöhnt. Und da dürfte es auch keine Rolle spielen, ob die taktische Grundausrichtung Viererabwehrkette oder Libero heißt. Auch Defensivstandards wird sich Jörg Hundertmark wohl auf seine Trainingsagenda für die nächsten Wochen schreiben müssen.
Was sich nicht zu notieren lohnt, ist dann eine weitere Parallele zu den ersten Spielen der Saison. Denn was will man seinen Spielern sagen, die einfach immer wieder das Aluminium treffen? Das zu zählen macht einfach keinen Spaß mehr. Diesmal war es Michael Meyer, der den Ball aus 18 Metern etwas zu sehr kontrolliert an den rechten Außenpfosten schiebt (80.).
Also, es wartet viel Arbeit auf Jörg Hundertmark. Worauf er aber auf jeden Fall aufbauen kann und auch muss, ist die Einstellung. Die stimmte heute einfach . Das war in den letzten Wochen vielleicht nicht immer so. Aber auch die kühnsten Optimisten müssen erkennen, dass die „guten, alten Zeiten“ nicht automatisch wieder kommen, nur weil der Trainer Hundertmark heißt. Insofern hatte die Niederlage vielleicht auch sein Gutes. Wer weiß das schon?
Der SVK spielte in folgender Aufstellung: Sascha Niemeier, Jens Schölzel (71. Torben Rheker), Marc Neumann, Jens von Heesen, Alexander Rheker, Michael Meyer, Mikael Grunwaldt (68. Matthias Brisgies), Niklas Rheker, Stefan Klocke, Matthias Loges, Pascal Ewers