SV Kollerbeck

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11.06.2007

Die Sensation ist perfekt

Kollerbeck erstmalig in der Bezirksliga

(svk) Es ist immer noch schwer, das alles in Worte zu fassen. Schon gar nicht die Gefühle. Fakt ist aber, dass es der SVK tatsächlich geschafft hat. Er ist Meister der A-Liga-Saison 2006/07 und damit Aufsteiger in die Bezirksliga. Wahnsinn! Der Triumph wurde perfekt gemacht durch einen Sieg gegen den TuS Bad Driburg. Am Ende eines an Spannung nicht zu überbietenden Spiels hieß es 3:1 für die letztmalig von Jörg Hundertmark betreute Mannschaft. Torschützen waren Michael Meyer (2) und Carsten Rheker.

Und schon vor dem Spiel ging es gefühlstechnisch auf Achterbahnfahrt. Insbesondere für Jörg Hundertmark, der sich ständig mühte, die Balance zu halten. Denn die offizielle Verabschiedung fand bereits vor dem Spiel statt. Der Sabbenhausener wurde mit Blumen vom Vorstand und mit einem Riesenbanner von einigen Jugendspielern verabschiedet: „Jörg, danke für alles!“ Und bereits da flossen erste Tränen. Gleichzeitig aber ging es ja schließlich noch um das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte. Die Spannung musste also hoch gehalten werden. Ein Drahtseilakt. Ob es nun an diesem Drahtseilakt lag oder an der ungeheuren Belastung, die jetzt auf einmal auf den Schultern unserer Jungs lag: Unsere Mannschaft kam schlecht ins Spiel. Während beim letzten Spiel gegen Fürstenau eigentlich alle Zuschauer nur verwundert feststellen konnten, wie selbstbewusst und cool unsere Mannschaft auftritt, konnte man heute die nervliche Anspannung förmlich fassen. Und sie spiegelte sich auf dem Platz wider. Da wurden Bälle einfach lang nach vorne befördert, wo man sonst eigentlich nur einen konstruktiven Spielaufbau gewohnt war. Da stand die Verteidigung oft viel zu weit von den Gegenspielern weg. Auch das kannte man aus den vorherigen Spielen überhaupt nicht. So dauerte es tatsächlich dann auch nur sieben Minuten, bis Totenstille im Rehbergstadion einkehrte. Driburgs Topstürmer Klunker hatte mit dem Kopf eingenetzt und die Tür zur Bezirksliga fiel erstmal ins sprichwörtliche Schloss. Und als sich dann kurze Zeit später rasch unter den Zuschauern herum sprach, dass Fürstenau in Lauenförde führt, da schien die Bezirksliga tatsächlich in ganz weite Ferne zu rücken. Denn in der Blitztabelle lag nun der SV FüBö mit zwei Punkten Vorsprung auf dem Aufstiegsplatz. Die Kollerbecker Mannschaft wurde im Übrigen auf Wunsch des Trainers nicht über die Zwischenstände in Lauenförde informiert. Sie sollte sich ganz auf sich selber konzentrieren.

Und damit hatte sie wirklich genug zu tun. Denn der Schock des Gegentores saß und es dauerte lange, bis die Mannschaft ihn verdaut hatte. Erst nach und nach erarbeiteten sich unsere Jungs Chancen. Doch insbesondere Jens Schölzel vergab in der 37. Spielminute eine 100%ige Torgelegenheit. Allein sieben Meter vor dem Tor stehend, setzte er den Ball nur neben den rechten Pfosten. Doch nur acht Minuten später machte der Rechtsaußen seinen Fehler wieder wett. Er setzte sich super auf der rechten Seite durch und es gelang ihm, eine phantastisch getimte Flanke auf Michael Meyer zu schlagen. Und das war auch nötig. Denn der nicht gerade für seine Kopfballstärke bekannte Bönekenberger nutzte tatsächlich seinen Kopf, um den Ball über die Linie zu bugsieren (45.). Zu einem besseren Zeitpunkt hätte der Treffer gar nicht fallen können. Kaum vorstellbar, was passiert wäre, wenn die Mannschaft mit einem Rückstand in die Kabine gegangen wäre. So aber stimmte zumindest das Ergebnis annähernd.
Trotzdem wurde Jörg Hundertmark in der Kabine laut: „Leute, wo ist Eure Selbstsicherheit und Euer Selbstbewusstsein? Nur weil uns diese Dinge in großen Teilen der ersten Halbzeit gefehlt haben, kam es zu solchen Stockfehlern und auch Stellungsfehlern! Uns reicht jetzt ein Tor für die Bezirksliga. Also: Glaubt an Euch!“ Und indem er den letzten Appell noch einmal sehr laut wiederholte, schickte er seine Jungs wieder aufs Spielfeld mit dem Auftrag „Kollerbecker Legenden“ zu werden.

MannschaftsfotoWie diese Halbzeitansprache den Punkt getroffen haben muss, beweist die Tatsache, dass es keine Zeigerumdrehung dauerte, bis das entscheidende Tor zur Bezirksliga fiel. Und es war der Mann, der bereits das erste A-Liga-Tor dieses Jahrtausends geschossen hatte: Carsten Rheker. Sein Ball wurde noch einmal abgefälscht und senkte sich über den verdutzten Driburger Keeper ins lange Eck zum 2:1. Das Rehbergstadion mit etwa 600 Zuschauern stand jetzt Kopf. Und diese 600 Zuschauer stellten dann in der 53. Spielminute weitestgehend zu ihrer Freude fest, dass sich das Blatt noch weiter zugunsten der Kollerbecker veränderte. Denn nach einer Notbremse gegen Torben Rheker sah der gegnerische Torwart zu Recht den roten Karton. Glück im Unglück für den Gast aus Driburg war, dass vorab die beiden Reservemannschaften aus Kollerbeck und Driburg gegeneinander gespielt hatten und so ein Ersatztorhüter vor Ort war. Gleichwohl spielten die Driburger jetzt in Unterzahl. Und das ganze bei fast schon tropischer Witterung.
Das sollte doch jetzt zu packen sein. Zumal aus Lauenförde die frohe Kunde kam, dass Lauenförde nun mit 4:2 gegen Fürstenau führte. Selbst bei einem Unentschieden wäre man bei der Konstellation in der Bezirksliga gewesen. Die Stimmung wurde also immer besser und litt nur dadurch, dass trotz mancher Überzahlsituation das beruhigende 3:1 einfach nicht fallen wollte. Erschwert wurden diese Möglichkeiten auch dadurch, dass eine Kommunikation untereinander auf dem Platz ob der Geräuschkulisse praktisch nicht möglich war. Insbesondere sei an dieser Stelle eine ohrenbetäubende Sirene genannt, die fast schon mehr Krach als Stimmung machte.
Und weil dieses Tor in Kollerbeck einfach nicht fallen wollte, demgegenüber in Lauenförde die Tore wie reife Früchte fielen und Fürstenau auf einmal wieder 5:4 in Lauenförde führte, wurde es noch einmal richtig spannend. Denn ein Tor für Driburg hätte jetzt gereicht, um Fürstenau zum Meister zu machen.
Glücklicherweise machten unsere Jungs dann aber dann doch noch das alles entscheidende 3:1. Michael Meyer war es, der mit seinem zweiten Treffer am heutigen Tag alles klar machte (89.) und das Bezirksligaticket löste. Der grenzenlose Jubel hielt sich jetzt bis zum Schlusspfiff und natürlich weit darüber hinaus.

Denn was sich nach dem Abpfiff im Kollerbecker Rehbergstadion abspielte, spottet jeglicher Beschreibung. Auch dieser Bericht vermag es mit Sicherheit nicht, die Emotionen auch nur annähernd zu vermitteln. Da wurden Plakate aufgehängt und Meisterschalen in den Himmel gestreckt. Da wurden die Fans von den Spielern einzeln abgeklatscht. Und es kamen genügend Kaltgetränke zum Einsatz. Diese wurden jedoch nicht immer ihrer eigentlichen Verwendungsbestimmung gemäß konsumiert, sondern teilweise über den Köpfen der Spieler und Fans verteilt. Und es dauerte es sehr, sehr lange, bis die Spieler nach diversen Bierduschen auch unter Duschen mit Wasser standen. Hier begrüßte man im Übrigen auch Ex-Spieler Jens Rheker, der sich nicht nehmen ließ, mit seinen alten Kameraden unter der Dusche zu feiern.

Lange Zeit um durchzuatmen blieb jedoch nicht. Denn schon stand der nächste Tagesordnungspunkt auf dem Programm. Ein altertümlicher Traktor, gesteuert von René Rheker, sollte den Trainer samt Mannschaft auf einer Ehrenrunde durch das Dorf kutschieren. Und das war wirklich ein Wahnsinnsgefühl für alle Beteiligten, sodass man sich auch etwas Zeit hierfür nahm. Unterdessen versammelten sich viele Fans schon einmal vor der Vereinskneipe, um den Aufsteigern einen gebührenden Empfang zu bereiten. Als dann der Traktor nach einiger Zeit immer noch nicht ankommen wollte, verbreitete sich schnell das hartnäckige Gerücht, dass die Spieler erst noch eine Spritztour nach Fürstenau unternommen hätten.

Dann jedoch kamen die Spieler endlich an. Der erste Weg führte wie bei den Großen auf den Balkon über der Vereinskneipe. Dort wurden wie bei der Bundesligisten üblich Fahnen geschwungen und Lieder angestimmt. In der Kneipe selber ging es dann mit noch mehr Flüssigkeiten weiter. Da floss reichlich Bier, Sekt, Schweiß und auch viel Tränenflüssigkeit.

Denn jetzt wurde Jörg Hundertmark auch emotional verabschiedet. Ein eigens für Hundertmark umgedichtetes „Niemals geht man so ganz“ und Frank Sinatras „My way“ ließen auch so manchem sonst eher hart gesottenem Mann das Wasser in die Augen steigen. Hier wurde einmal mehr deutlich, wie sehr dieser Lipper den Kollerbeckern mittlerweile ans Herz gewachsen ist. Viele, viele Fans nutzten die Gelegenheit, noch einmal „Danke, Jörg!“ zu sagen. Jörg pflegte darauf immer zu antworten „Nein, ich danke Euch!“ Schließlich wurde sich auf folgendes verständigt: „Wir danken uns gegenseitig für eine verdammt geile Zeit!"

Später wurden dann noch Haare geschoren und - als dem Langhaarschneider die Energie ausging – auch geschnitten. Opfer war hier insbesondere Jan Durgeloh, der zudem erst letzte Woche beim Friseur gewesen war. Diesem Friseur werden wohl demnächst auch die Tränen in die Augen schießen.

Aber alles das spielte heute erstmal keine Rolle mehr. Gefeiert wurde natürlich bis in die frühen Morgenstunden und darüber hinaus. Schließlich war in Sabbenhausen Schützenfest mit Katerfrühstück. Grund genug also, hinzufahren und Jörg eines zu sagen: „Danke für alles!“

Der SVK spielte in folgender Legendenaufstellung: Sascha Niemeier, André Struck, Alexander Rheker, Simon Reinhard (46. Simon Reinhard), Elmar Happe, Marc Neumann, Jens Schölzel (58. Jan Durgeloh), Niklas Rheker, Michael Meyer, Torben Rheker (71. Domnik Sprenger), Carsten Rheker


Fotos zum Spiel: