Radsport
Jahresrückblick 2017
(svk) Strava-Fieber verändert die Radsportszene
Rückblick der Radsportgruppe im SV Kollerbeck
Von Konrad Krüger.
Das Radsportjahr 2017 wurde von den Themen „Mallorca“ und „Strava“ geprägt. Während es mittlerweile schon zur alljährlichen Saisonplanung gehört, eine oder zwei Trainingsaufenthalte auf der Mittelmeerinsel mit einzuplanen, so gelten die virtuellen Wettkämpfe über die Internet-Plattform Strava seit dem letzten Jahr als absolutes Highlight in der Zweiradszene.
Strava ist ein soziales Netzwerk zum internetbasierten Tracking von Radtouren. Mitglieder von Strava können zu zurückgelegten Strecken Informationen zu Dauer, Steigung, Geschwindigkeit, Krafteinsatz, Temperatur oder Energieumsatz über kleine Spezialcomputer auf der Plattform abspeichern. Anschließend besteht die Möglichkeit, die Daten detaillierter auszuwerten und die eigene Leistung mit anderen Mitgliedern des Netzwerkes zu vergleichen. Des Weiteren verfügt Strava über eine Segmentauswertung mit Bestenlisten. Daher kann jeder Nutzer ein Segment aus einer aufgezeichneten Strecke generieren. Wer dann über dieses Segment radelt und die Datei zu Strava hochlädt, wird in die Bestenzeitliste dieses Segments aufgenommen. Auf den Punkt gebracht, kann somit ein jeder zu jederzeit sein Rennen gegen bekannte oder unbekannte Sportler fahren. Diese Besonderheit hat dazu geführt, dass teilweise ein regelrechtes Strava-Fieber ausgebrochen ist.
Die am stärksten infiltrierten Kollerbecker Radsportler sind hier Rainer Mönks und Josef Struck. Fuhr Josef Struck in den letzten Jahren verstärkt Mann-gegen-Mann-Rennen wie den Ötztalmarathon oder die Hamburg Cyclassics, so hat er sich neuerdings auf die „Eroberung“ der Segment-Listen spezialisiert. „Mir fehlt hier in der Gegend nur noch die Bestzeit für die Strecke von Langenkamp nach Kollerbeck. Der Wind wehte leider noch nicht nach Maß…“, deutete der wohl leistungsstärkste Kollerbecker Radfahrer an, worin der Reiz dieser Wettkampfart besteht. Dass dabei auch mit allerlei Raffinessen wie Rückenwind oder Windschattenfahren getrickst wird, sollte nicht weiter verwundern.
Ein besonderer Höhepunkt der letztjährigen Mallorca-Tour im Mai war der gemeinsame Aufstieg der kompletten Kollerbecker Reisegruppe zum Kloster Lluc. Das Santuari de Santa Maria de Lluch, so der vollständige Name, ist der berühmteste Wallfahrtsort im Gebirge der Serra de Tramuntana im Nordwesten der spanischen Baleareninsel und gilt als spirituelles Zentrum der Insel. Wie beliebt die 8 Kilometer lange und mit durchschnittlich 5 % Steigung nicht gerade leichte Strecke ist, zeigt ein Blick in das Strava-Ranking. Sagenhafte 52.911 Sportler haben sich hier bisher miteinander „duelliert“.
Das Bild zeigt die Kollerbecker Malle-Fahrer vor dem Eingang zur Kirche Santa Maria de Lluc von links nach rechts: Johannes Lensdorf, Georg Fuhrmann, Maria Krüger, Josef Raders, Johannes Niemann, Konrad Krüger, Elmar Klocke, Brigitte Klocke, Axel Thomas und Anne Raders.
Herausragende Sportler
Ein ereignisreiches Jahr hat Rainer Mönks hinter sich gebracht. Nicht nur, dass er seine Jahresleistung auf 10.700 Kilometer ausdehnen konnte. Er hat dabei auch noch eine Zwangspause von gut einem Monat hinnehmen müssen, als er im Juni auf der Nachhausefahrt von der Arbeit in Paderborn im Holzhauser Kreisel verunglückte und sich dabei den Ellenbogen ausgerenkt hatte.
Anfangs war von 4 Monaten Pause die Rede. Aber Rainer wäre nicht Rainer, wenn er sich nicht fünf Wochen nach diesem Crash gleich wieder aufs Rad geschwungen hätte. Und nicht, dass er es da gleich ruhig angehen ließ. Als er gemächlich auf dem Elbrinxer Radweg dahin strampelnd Johannes Niemann und Josef Struck auf der Landsstraße entdeckte, hielten ihn keine fünf Pferde mehr. Als Resultat steht heute noch seine Bestzeit von 2:07 Minuten auf dem Windmühlensegment von Kleinenberg nach Eichenborn in der Internet-Community Strava.
Seine täglichen Fahrten zur Bahn nach Steinheim morgens um halb sechs bei Wind und Wetter, seien hier nur nebenbei erwähnt. Sieben Mal hat er die Strecke zur Arbeit nach Paderborn sogar des morgens und nachmittags komplett gefahren, als die Bahn für einige Tage die Strecke gesperrt hatte. Gemeinsam mit Johannes Niemann hat er die 150 Kilometer der Lemgoer Radtourenfahrt (RTF) in einem beachtlichen 31er Schnitt abgespult. Und gemeinsam mit Josef Struck und Johannes Niemann hat er dann mal eben die 211 Kilometer nach Willingen und zurück in einem 32,5er Durchschnitt abgespult.
Josef Struck hat im letzten Jahr keine seiner obligatorischen Rennen absolviert. Der Ötztalmarathon war nach seinen zwei Pannen und dem damit verbundenen Ausstieg kein Anreiz mehr für ihn. Und die Hamburg Cyclassics konnten ihn in 2017 auch nicht motivieren. Dafür hat es ihm wie bereits angedeutet, Strava angetan. Bis auf die Strecke Langenkamp – Kollerbeck hält er alle Segmentrekorde in der hiesigen Region. Wer jemals die Serpentinen von Brevörde nach Ottenstein hochgefahren ist, wird seine Zeit von 8:13 Minuten zum Beispiel erst richtig einordnen können.
Dazu zwei Tage im August am Brocken im Harz trainiert, dabei Strecken von 170 km Distanz und 2.600 Höhenmeter im 30er Schnitt und am zweiten Tag dann 190km bei 3.500 Höhenmetern. Und das Ganze dann auch wieder in einem 28er Durchschnitt abgespult.
Touren ins Sauerland an einem Tag und alle Varianten im Solling haben ihre Trainingswirkung für die Spurts um Bestzeiten nicht verfehlt. 6.000 Kilometer können zwar nicht mit Rainer Mönks’ Gesamtdistanz konkurrieren, aber Josef Struck hat im abgelaufenen Jahr auch wieder verstärkt an Laufveranstaltungen teilgenommen und somit seine Trainingsaktivitäten aufs Laufen und Radfahren aufgeteilt.